Berichte zum Thema Abtreibung



Juli 2011

Leiden, Leben, Sterben

Kategorie: Abtreibung, Euthanasie, Politik, Religion
Von: BG

Lebenshilfe bis zum natürlichen Tod. Stellungnahme der Arbeitsgruppe „Betroffenes Spital“ zur Euthanasiediskussion

Sterben

Wir begleiten den Patienten bis zum natürlichen Tod, so dass er sein Leben bis zum Schluss leben kann. Er hat das Recht auf optimale pflegerische Betreuung zur Linderung seiner Leiden, ebenso auf Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr.

Beim Entscheid, ob man bei einem schwerstkranken oder sterbenden Patienten spezielle Massnahmen ergreifen soll, muss sowohl dessen körperlicher Zustand als auch Nutzen und Sinn der Therapie in Betracht gezogen werden. Dazu gehört auch das Abwägen, ob Antibiotika und andere medikamentöse Therapien verabreicht werden sollen. Auch wenn die eingesetzten Mittel keine Heilung der Grundkrankheit herbeiführen, können sie doch Beschwerden lindern. Eine medikamentöse Therapie in der Sterbephase soll immer das Ziel haben, Leiden zu lindern. Bei einer Pneumonie z.B. kann mit Antibiotika erreicht werden, dass der Patient weniger belastende Sekrete auf der Lunge hat. Ein Absetzen von Medikamenten darf für den Patienten nicht zusätzliche Leiden hervorrufen.

Es geht uns nicht darum, einen Menschen gewaltsam am Leben zu erhalten. Wir sehen das Sterben nicht als Niederlage der Medizin.

Es liegt aber nicht in der Kompetenz des Menschen, den Zeitpunkt seines Sterbens oder das Sterben von Angehörigen und Patienten zu bestimmen oder herbeizuführen. Ein Sterbewunsch ist nicht dasselbe wie ein selbst bestimmter Tod. Sterbewünsche gehören zum Leben und wir nehmen sie ernst. Wir begleiten die Betroffenen, stützen sie und helfen ihnen, bis der Wunsch zu sterben durch den natürlichen Tod erfüllt wird.

Leiden und Schmerzen

Als Medizinalpersonen ist es unsere Aufgabe, Leiden und Schmerzen zu lindern. Ein verantwortungsvoller, sorgfältiger und angepasster Umgang mit Medikamenten dient uns als Grundlage.

Es ist für uns eine Pflicht, Weiterbildungen hinsichtlich wirkungsvoller Schmerzbekämpfung zu besuchen. Wir begleiten den Patienten in der Leidenszeit mit Respekt, wobei wir medizinische Hilfe in Anspruch nehmen, um die Leiden und Schmerzen zu lindern. Wir nützen alle Ressourcen, um dem Patienten ein würdevolles und lebenswertes Leben bis zum natürlichen Tod zu ermöglichen.

Lebenshilfe bis zum natürlichen Tod

Wir sind uns bewusst, dass wir nicht alle Leiden aus der Welt schaffen können, doch begleiten wir den Patienten durch die schwierige Zeit und versuchen alles, dass sein Leben am Ende so angenehm wie möglich ist. Wir unterstützen ihn individuell bis zum natürlichen Tod. Die Palliativpflege (umfassende Linderung der Leiden und bestmögliche Lebensqualität) soll dem Patienten die Sicherheit geben, in guten Händen zu sein. Es soll ein würde- und achtungsvoller Umgang mit Kranken herrschen. 

Es ist uns wichtig, die Angehörigen in die Pflege mit einzubeziehen. Die Erfahrung zeigt, dass gerade Leidenszeiten Abschnitte im Leben sind, die Angehörige und Freunde in besonderer Weise verbinden. Viele können auf wertvolle Zeiten zurückblicken, in denen sich die Beziehungen vertieften, Vergebung erlebt werden konnte und Klärung in komplexen Situationen stattfand. 

Wir sprechen uns entschieden gegen eine absichtliche Lebensverkürzung aus. Wer tötet, auch mit der Absicht Leiden zu beenden, macht sich eines Verbrechens schuldig. Auch Hilfe zum Suizid, so genannt assistierter Suizid, ist ein Schritt in die falsche Richtung. Töten ist ein Ausdruck menschlichen Versagens. Begleiteter Suizid ist aktive Sterbehilfe. 

Der „sanfte“ Druck zum schnellen Sterben

Das „Recht“ zum selbst bestimmten, „sanften“ Tod wird eine Pflicht zum schnellen Sterben.

In einer Gesellschaft, wo behinderte, ältere und kranke Menschen immer häufiger durch assistierten Suizid sterben, entsteht als Folge ein unmerklicher, steter Druck für andere Behinderte, Ältere und Kranke. Sie haben keinen Platz mehr, finden ihr Leben nicht mehr lebenswert und äussern Sterbewünsche. Sie fühlen sich überflüssig und ihr Leben scheint mühsam und belastend, auch für das Gesundheitswesen. Warum sollen sie das Angebot vom sanften Suizid nicht annehmen? Hört es sich nicht wie eine Erlösung an?

Suizid ist ein Ausdruck von Hoffnungslosigkeit und Resignation für eine ganze Gesellschaft. Er ist Ausdruck davon, dass der Mensch sich zum Herrn über Leben und Tod macht. 

Wir sprechen uns klar gegen eine Hilfe zum Suizid aus. Es ist ein Unterschied, ob eine Kerze langsam verlöscht oder ob man sie ausbläst.

Vielmehr sollten die nötigen personellen und fachlichen  Ressourcen bereitgestellt werden, um eine optimale palliative Betreuung der kranken, älteren und behinderten Menschen zu gewährleisten. In einer Umgebung, wo ein achtungsvoller Umgang mit Kranken herrscht, verschwinden Wünsche nach einem selbst bestimmten und herbeigeführten Tod. 

Das Leben ist ein wertvolles Geschenk

Das Leben ist kein Zufall, es ist ein Geschenk Gottes. Ein Geschenk ist laut Duden: Leihgabe, Zuwendung, Andenken, Aufmerksamkeit. 

Das Leben und der Tod sind in Gottes Hand. Das Leben ist unantastbar, es ist heilig. 

Der Mensch kann sich das Leben nicht selber geben, auch wenn er noch wollte. Also darf er sich das Leben auch nicht selber nehmen, er hat kein Recht sich selber zu töten, so wie er auch kein Recht hat einen anderen Menschen zu töten. 

Wir müssen uns im Klaren sein, dass der Lebenswert nicht daran gemessen werden kann, wozu ein Mensch fähig ist, sondern an der Tatsache, dass der Mensch ein Mensch ist und bleibt. Es ist die Einmaligkeit des Menschseins, welche dem Menschen seine ihm eigene Würde verleiht. Es gibt weder sinnloses noch nutzloses Leben.


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